(Design-)Zukunft denken und gestalten
26. Juli 2012 von Christhard Landgraf
Gedanken zum Buch „Designzukunft denken und gestalten“ von Joachim Kobuss und Michael B. Hardt aus der Birkhäuser-Reihe „Erfolgreich als Designer“, 2012.
Bücher über die Zukunft werden im Allgemeinen mit Science-Fiction bezeichnet. Soft-Science-Fiction bezeichnet im Besonderen die Beschäftigung mit politischen, philosophischen oder gesellschaftlichen Themen der Zukunft.
Ist das vorliegende Buch, wie der Titel vermuten lässt, ein Zukunftsroman oder ein Zukunftsratgeber? Mitnichten.
Die beiden Autoren haben es sich nicht leicht gemacht. An der für die Designbranche ungewöhnlich tiefschürfenden und umfassenden Beleuchtung des Gegenstandes ist zu sehen, dass ein großes Interesse, eine fast missionarische Motivation, bestand, das Thema Zukunft für das Design und die Designer_innen nicht mit pauschalen Anschuldigungen und einfachen Handlungsanweisungen abzuhandeln. Sonst würden wir „17 kreative Tipps für zukunftsfähige Designer_innen“ oder „Wie ich in 17 Schritten die Welt von Morgen verschönere“ in Taschenbuchformat in der Hand halten.
Kobuss und Hardt schlagen in ihren 17 Kapiteln einen großen Bogen – von der Großbaustelle Erde über die Philosophie, von der Ästhetik zu den neuen Medien, vom neuen Denken zu neuen Formen der Zusammenarbeit bis zur Designökonomie und Designausbildung.
Es ist ein Buch über verantwortungsvolles Handeln, aber es ist kein Ratgeber im herkömmlichen Sinn, sondern eine Hilfe um mit sich zurate zu gehen (meint: gründlich nachzudenken). Und hier liegt auch der Fokus des Buches: zukunftsfähiges Gestalten heißt Neues Denken!
Im Interview in diesem Buch mit Aaris Sherin heißt es: „Auf lange Sicht wird die Bedeutung von nachhaltigem Design mehr im Denken und in der Problemlösung liegen als in Material und Produktion.“*
Das Neue zu denken und zu gestalten ist die Vision der beiden Autoren. Und als wären sie sich ihrer Sache nicht sicher, versuchen sie mit Engelszungen** den Leser zu überzeugen. (Da beide aus dem Designbusiness kommen, kennen sie wohl ihre Pappenheimer***.)
Ein sehr gutes Buch, weil Design anders gedacht wird. Nämlich ausgehend vom Standpunkt der Designer_innen in und zu der Gesellschaft, der Welt, ihrer Verantwortung. Dabei wird der Vorbild- und Avantgardecharakter des Berufs stets betont, obwohl wohl eher die kreativen Routinen gemeint sind. Das Buch kann und wird ein Wegweiser für die gesamte Creative Class**** sein.
PS. Im Frühjahr 2004 hat unsere Agentur eine Zukunftskonferenz durchgeführt. Meine Vision damals: In zehn Jahren will ich als beratender Designer arbeiten.*****
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* S. 285
** 1. Brief des Paulus an die Korinther: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich tönend Erz oder eine klingende Schelle!“
*** F. Schiller, Wallensteins Tod, 1799, Weimar
**** S. 240
***** S. 235: „Als Marken [für Designer] … kämen in Frage: Operativer Designer, Planender Designer, Beratender Designer.“
Fotos: Daniel Koebe, Uli Kreifels


